Tag 36 🇩🇪 – Phnom Penh und die grausame Geschichte Kambodschas

Heute gibt es für uns keine lustige Aktivität oder eine Tempelbesichtigung. Wir lernen heute mehr über die dunkle und grausame Vergangenheit der Geschichte Kambodschas.

In Phnom Penh angekommen, geht es für uns nach einem kurzen Mittagessen nach Choeung Ek. Es ist eins von 300 Killing Fields und die größte Gedenkstätte des Landes. In den Grünanlagen starben unter der Herrschaft von Pol Pot (Paul Potts) über 200.000 Menschen.

Pol Pot bildete 1975 eine Armee aus ungebildeten Jugendlichen, die sich die roten Khmer nannten. Rot stand für die Farbe des Kommunismus. Innerhalb von drei Jahren hatte die Armee fast 3 Millionen Menschen auf dem Gewissen. Mit Lastwagen wurden die Menschen in die Killing Fields gebracht und getötet. Insbesondere die gebildete Bevölkerung z.B. Anwälte, Lehrer, Ärzte, Mönche, Nonne, Menschen mit Fremdsprachenkenntnissen und alle, die die roten Khmer in Frage stellten, waren unter den Opfern. Zum Schluss reichte es sogar aus, wenn man eine Brille trug und intelligent aussah.

Mit einem Audioguide laufen wir die verschiedenen Stationen ab. Hinter jedem Detail steckt eine grausame Geschichte. Die Zuckerpalmen wurden beispielsweise dafür verwendet, um den Gefangenen mit der scharfen Rinde die Kehle durchzuschneiden. Ebenso bediente man sich an dem Tötungsstoff DDT, Äxten und Bambusstöcken. Erschossen wurde niemand, da die Patronen zu teuer waren. Viele der Gefangenen starben bereits vor der Hinrichtung durch Zwangsarbeit und Hunger.

In dem Baum (Foto unten) wurde jede Nacht ein Radio platziert, das die Schreie der Opfer bei den Hinrichtungen übertönen sollte, so dass niemand mitbekam, was sich in den Killing Fields abspielt.

Am schlimmsten finde ich einen riesigen Baum, an dem viele bunte Armbänder hängen. Was auf den ersten Blick ganz farbenfroh aussieht, ist der Baum, an dem Babys und Kleinkinder getötet und erschlagen wurden. Das Ziel der roten Khmer war es alle Familienangehörige der Opfer zu töten, um nicht mit späterer Rache konfrontiert zu werden.

Neben geschichtlichen und örtlichen Informationen werden im Audioguide auch Berichte von Überlebenden oder deren Angehörigen gespielt, die unter die Haut gehen.

Vor allem in der Regenzeit kommen alle paar Monate erneut Knochen oder Zähne in der Erde zum Vorschein. 1988 wurde die Gedenkstupa in Choeung Ek errichtet. Jedes Jahr wird hier am 20.05. eine Gedenkzeremonie abgehalten. Die Gedenkstupa muss barfuß betreten werden und bietet im Inneren nicht viel Platz. Insgesamt 17 Ebenen wurden in der Stupa gebaut. Allein in den ersten 10 Ebenen liegen fast 9000 Schädel. Alle wurden auf die Todesursache hin untersucht und diese kenntlich gemacht.

Da in der Gedenkstätte kein Platz für alle Opfer war, wurden viele Gräber auch um diesen See auf dem Gelände angesiedelt.

Obwohl uns diese ganzen Informationen schon schwer im Magen liegen, geht es von Choeung Ek weiter in das Tuol Sleng Völkermord Museum. Dieser Platz war damals eine Schule, bevor er von den roten Khmer zum Gefängnis umfunktioniert wurde. Seit dem nannte man es S21 (Security office 21). Manche Insassen kamen hier her, bevor sie zu den Killing Fields gebracht wurden und wurden gefoltert.

Obwohl die verschiedenen Gefängniszellen und Folterkammern besichtigt werden können, kann und will man sich nicht vorstellen, was die Menschen damals hier erleben mussten. Die Zellen reichen von kleinen Einzelzellen, die nur ein paar Quadratmeter groß sind, bis zu großen Sammelzellen, in denen über hunderte Menschen gleichzeitig festgehalten wurden. In den Sammelzellen wurde wöchentlich ein Eimer Wasser über die Insassen gegossen. Wer Glück hatte, kam so an seine „Dusche“. Andere Insassen bekamen, aufgrund der überfüllten Raums, nur alle 3 Monate etwas von dem Wasser ab.

Die obere Riege der Khmer Rouge stand zwar vor Gericht, jedoch wurden die meisten für ihr Handeln nur mit einer Gefängnisstrafe von ca. 30 Jahren bestraft! Der Anführer Pol Pot wurde sogar nie für seine Taten zur Rechenschaft gezogen. Er wurde über 70 Jahre alt.

Für uns waren die Besichtigungen in Phnom Penh sehr bewegend, vor allem da die Ereignisse noch nicht lange zurück liegen. Es ist kaum vorstellbar, dass erst seit 2018 von „Völkermord“gesprochen wird.

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