Tag 25-27 🇩🇪– Unsere ersten Tage in Kambodscha

Um 8 Uhr früh sitzen wir an der Grenze und warten auf unser Einreisevisum. Aus Laos sind wir bereits „ausgecheckt“ und die Formalitäten sind alle ausgefüllt und abgegeben. Im Gebäude warten noch das obligatorische Foto, sowie die Abgabe unserer Fingerabdrücke. Anschließend dürfen wir über die Grenze laufen. Auf der anderen Seite steht schon ein Minivan für uns bereit. Von hier sind es ungefähr 7-8 Stunden bis zu unserem Ziel Siem Reap.

Die 8 Stunden stellen sich als reinste Folter raus. Wir haben in den letzten Wochen die verschiedensten Fahrtechniken der Busfahrer kennengelernt, aber dieser ist mit Abstand am schlimmsten. „Alex, hier herrscht aber schon Rechtsverkehr, oder?“, frage ich verwundert, da wir durchgängig auf der linken Straßenseite fahren.

Die Straßenbeschaffenheit ist sogar um einiges schlechter als in Laos, so dass die Fahrt schon per se nicht sehr angenehm ist. Die vorhergehenden Busfahrer haben vor den Schlaglöchern immer vorausschauend abgebremst oder versucht sie wenigstens zu umfahren. Dieser nicht! Er bremst kurz ab um dann Vollgas zu geben und mit voller Geschwindigkeit über das riesige Loch zu fahren.

Aus Laos waren wir gewohnt, dass die Hupe so gut wie nie betätigt wird. Sogar auf die Tiere, die auf der Straße standen, wurde Rücksicht genommen. Aktuell mache ich mir nicht nur Gedanken, um die Tiere, sondern auch um die neben uns fahrenden Motorräder. Die Fahrweise wird auch nach einem Kaffee, einem Energy Drink und einer Cola nicht besser..im Gegenteil. Unser Fahrer wird immer nervöser und die Hupe ist fast im Dauereinsatz. Ich bin überzeugt davon gleich erste Hilfe leisten zu müssen, wenn das so weitergeht.

Ich glaube, ihr könnt euch vorstellen wie froh wir sind, als wir unversehrt in Siem Reap ankommen.

Ein kurzer Blick in unser Hostel geworfen und schon machen wir uns auf den Weg, um die Gegend zu erkunden. Wir wohnen genau neben der bekannten Pub Street und dem alten Markt. Am alten Markt gibt es von T-Shirts, Souvenirs und Schuhen bis zu Lebensmitteln und Schmuck alles zu kaufen. „Madame, kauf bei mir! Kauf bei mir!“, ruft mir eine Dame zu, noch bevor ich mir überhaupt das T-Shirt angucken kann. Uns fällt sofort auf, dass die Leute nicht nur penetranter als in Laos sind, sondern auch deutlich unfreundlicher. Von der Gelassenheit und Freundlichkeit, die wir von den Märkten in Laos gewohnt sind, findet man hier keine Spur. Trotz eines netten „No, thank you“ gefriert das Lächeln der Verkäufer augenblicklich, wenn man die Ware ablehnt und uns wird teilweise auch etwas nach gerufen, was sicherlich nicht freundlich ist. Mir vergeht die Lust aufs Shoppen und wir machen uns mit leeren Händen auf den Weg ins Hostel.

Der alte Markt in Siem Reap

Kurz vor dem Hotel stoßen wir noch auf einen Künstlermarkt, an dem selbst gewebte Schals, Röcke und Schmuck verkauft werden. Die Verkäufer sind weniger aufdringlich und zurückhaltend, so dass wir uns noch kurz umgucken.

Am nächsten Morgen werden wir früh abgeholt, um uns DIE Attraktion von Siem Reap anzugucken: Angkor Wat! Die ganzen Schalter in der Eingangshalle erinnert an den Check-in am Flughafen. Auf unserer Eintrittskarte sind sogar Fotos von uns gedruckt, die am Schalter angefertigt wurden. Die Karte müssen wir den ganzen Tag dabei haben und sogar beim Toilettengang vorzeigen. Mit dem Minivan dürfen wir dann endlich durch das riesige Gelände fahren, das teilweise von Wald bedeckt ist. Die archäoligische Stätte erstreckt sich über 400 km²!

Eingangshalle Angkor

Angkor Wat ist zwar der bekannteste Tempel, jedoch gibt es auf dem Gelände insgesamt über 1000 Tempel und Heiligtümer. Unfassbar, dass früher jeder König seinen eigenen Tempel hatte, von denen einer schöner, als der andere ist.

Einen ähnlichen Bekanntheitsgrad wie Angkor Wat hat Angkor Thom, der den meisten aus dem Film Tomb Raider bekannt ist. Im Inneren der Stadtmauer Angkor Thoms befinden sich die Ruinen von Tempeln aus verschiedenen Jahrhunderten. Angkor Thom wurde im späten 12. Jahrhundert gegründet und war die letzte Hauptstadt des Khmer-Reichs.

Ich persönlich war besonders beeindruckt davon, wie die Natur sich mit den Ruinen vereint und die Bäume sich an die Tempelanlagen schmiegen. Sogar Affen kann man ab und zu zwischen den Ruinen entdecken.

Bei 38 Grad pilgern wir von einem Tempel zum nächsten und bekommen zwischendrin von unserem Guide Wasserflaschen zugesteckt. Erst nach dem Essen machen wir uns auf den Weg zu Angkor Wat. Übersetzt bedeutet das „Tempel der Stadt“, wie uns der Guide erklärt. Der Tempel wurde im frühen 12.Jahrhundert als hinduistischer Tempel gebaut und wurde im 16. Jahrhundert buddhistisch. Der Tempel ist wirklich mehr als beeindruckend. Es ist das größte religiöse Gebäude der Welt und erscheint sogar auf der kambodschanischen Flagge.

Wir sind schon etwas geschafft, als wir am Nachmittag wieder zum Hotel gefahren werden. An Ausruhen ist jedoch nicht zu denken. Am Abend geht es zum sogenannten „Phare Circus“. Als wir am Zirkus ankommen, wissen wir noch nicht, was auf uns zukommt. Bevor die Show beginnt, essen wir im daneben liegenden Restaurant etwas und schlendern durch die Boutique. Um halb 9 ist endlich Einlass und wir dürfen mit dem ausgeteilten Bambus-Fächer zu unserem Platz laufen.

Dass der Phare kein gewöhnlicher Zirkus ist, haben wir schon gelesen. Es gibt keine Tierdarbietungen und besteht auch nicht nur aus Akrobatik. Vor der Vorstellungen lernen wir in einem Kurzfilm, dass Phare kambodschanische Geschichten durch Musik, Tanz und Akrobatik erzählt. Die ausgebildeten Künstler werden in der Akademie in Battambang ausgebildet und bekommen die Möglichkeit in Siem Reap aufzutreten. Vor allem Kinder und Jugendliche aus armen Familien bekommen die Möglichkeit hier zur Schule zu gehen.

Eine Stunde dauert die Vorstellung und ist wirklich sehenswert. Wer eine außergewöhnliche akrobatische Meisterleistung erwartet, wird sicherlich enttäuscht werden. Die akrobatischen Nummern hat man woanders schon mal gesehen, aber die Geschichten, die erzählt werden, sind wirklich besonders.In unserer Vorstellung geht es um einen jungen Mann, der zwischen dem traditionellen Leben (z.B. der Arbeit auf den Reisfeldern) und der modernen Welt hin und hergerissen ist. Das ganze wird durch traditionelle Musik untermalt und ein Künstler malt sogar zeitgleich Bilder zu dem Thema.

Nach der Veranstaltung hat man die Gelegenheit den Künstlern Fragen zu stellen. Wir erfahren, dass mehrere Vorstellungen pro Woche laufen, die unterschiedliche Geschichten erzählen.

Unser Start in Siem Reap war zwar nicht so super, aber dafür haben wir auch schöne Dinge erlebt. An unserem ersten Abend in Siem Reap haben wir ein nettes Lokal entdeckt, das in den 3 Tagen zu unserem Stamm-Restaurant wurde. Gutes Essen, Low-Budget-Preise und am Ende kam noch eine angenehme Überraschung dazu. Es wurden zusätzlich immer noch 50% des Preises abgezogen! Wenn das in Kambodscha überall so lecker und günstig ist, legen wir sicher ordentlich zu 😀

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