Tag 19 🇩🇪– Ein bewegender Aufenthalt in Vientiane

In aller Frühe machen wir uns auf den Weg in die Hauptstadt Vientiane. Insgesamt 4 Stunden Busfahrt liegen vor uns. Kurz vor Ankunft wird unser Bus von 2 Polizisten zur Kontrolle aus dem Verkehr gezogen. Bevor wir rechts ran fahren, checken Alex und ich noch mal unsere Gurte und sind etwas aufgeregt, weil wir nicht wissen, was auf uns zukommt.

Unser Fahrer und sein Freund sprechen mit dem Polizisten und lachen, als der Busfahrer plötzlich 10.000 KIP (= 1€) aus seinem Portemonnaie zückt und es dem Polizisten überreicht. Danach dürfen wir weiterfahren. Alex und ich haben überhaupt keine Ahnung, was hier gerade abgelaufen ist.

Die Erklärung müsst ihr wahrscheinlich gleich zweimal durchlesen, weil es so unfassbar ist. Uns wird erklärt, dass die Fahrzeugpapiere des Minivans noch nicht fertig seien und sie sich dafür entschuldigt hätten. Das war aber noch nicht alles! Unser Busfahrer hat seinen Führerschein in seiner Heimatstadt Luang Prabang vergessen. Zusammenfassend heißt das, dass wir gerade in einer Polizeikontrolle waren, kein einziges gefordertes Papier vorweisen konnten und wir dafür nur 1€ Strafe zahlen mussten und der Polizist uns auch noch nett zugelächelt und einen schönen Tag gewünscht hat. Da die Laoten in diesem Moment unsere Fassungslosigkeit nicht nachvollziehen können, schildert Alex kurz, wie so eine Kontrolle wohl in Europa abgelaufen wäre, was auf Unverständnis bei den Laoten stößt. Immerhin sind die Fahrzeugpapiere beantragt, der Führerschein wird mit dem nächsten Bus gebracht und sie haben sich ganz nett bei dem Polizisten entschuldigt. Wieso sollte es also Probleme geben? 😀

Bevor es zu den üblichen Sehenswürdigkeiten geht, fahren wir in ein Museum der anderen Art.

Wenn man in das COPE Visitor Center möchte, wird man am Eingang von Figuren und Blumenvasen empfangen, die alle aus Bomben und Landminen hergestellt sind. Im Inneren findet man Prothesen und eine kleine Ausstellung verschiedener Rollstühle.

Jeder von euch hat wahrscheinlich in irgendeiner Form schon einmal vom Vietnamkrieg gehört, der von 1955 bis 1975 geführt wurde. Aber wer von euch hat schon einmal vom „Secret War“ gehört? Ich muss zugeben, dass Alex und ich keine Ahnung hatten, was sich hinter dem Begriff verbirgt.

Von 1964 bis 1973 wurde Laos von der USA mit über 2 Millionen Tonnen von Minen bombardiert. Die amerikanischen Flugzeuge mit den Landminen an Board mussten über Laos fliegen, um nach Vietnam zu gelangen. Da es zu gefährlich war mit der Ladung zu starten und zu landen, wurde die geladene Munition über Laos „entsorgt“. Daraus resultiert, dass alle 8 Minuten, 24 Stunden am Tag über 9 Jahre eine Bombe in Laos explodierte.

Noch heute hat Laos mit den Folgen des Krieges zu kämpfen. Seit dem Krieg wurden über 40 % der Minen noch nicht gefunden und entschärft. Insgesamt sind bereits über 75 000 Arbeiter durch Minenunfälle auf den Feldern gestorben. Während Malaria früher die führende Todesursache war, sind es heute Unfälle jeglicher Art. Die zweithäufigste Todesursache sind Krebserkrankungen und Malaria ist auf Platz 3 gerückt.

In Laos leben ca. 70% der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze. Solange die Bomben nicht gefunden und entschärft sind, können beispielsweise keine Schulen oder Straßen gebaut werden und die Kinder können nicht sorglos auf den Straßen spielen.

Die USA hat eine Organisation ins leben gerufen, bei der das laotische Team mit speziellen Detektoren die Reisfelder und Dörfer nach Landmienen absucht und die Feldarbeit damit sicherer macht. Viele Einheimische haben sich bereits dieser Organisation angeschlossen.

Das COPE Center macht deutlich mit welchen alltäglichen Problemen die betroffenen Familien der Unfallopfer zu kämpfen haben. Uns wird ein 24-minütiger Film gezeigt, der unter die Haut geht. Ein junger Mann berichtet, dass er ein Lagerfeuer machen wollte, als plötzlich neben ihm die Bombe explodierte! Mitten im Dorf! Neben Verbrennungen am ganzen Körper hat er durch die Explosion auch das Augenlicht verloren. Mit sehr bewegenden Worten schildert der Betroffene, wie er sich seit dem fühlt. Arbeiten und Geld verdienen kann er nicht mehr. Das muss seine Frau übernehmen. Auf seine beiden kleinen Kinder aufpassen, kann er durch die Blindheit auch nur bedingt. Er und seine Familie lebten Tag für Tag in der Angst, dass so eine Explosion noch einmal vorkommen könnte.

Sehr bewegt von den ganzen Informationen machen wir uns auf den Weg in die Innenstadt zur Sightseeingtour. Zuerst besichtigen wir den goldenen Pha That Luang, eine große buddhistische Stupa, die im 16. Jahrhundert erbaut wurde. Die Bevölkerung glaubt, dass in dieser Stupa Buddhas Rippen vergraben wurden. Jedes Jahr wird hier eine große Zeremonie abgehalten, zu der viele Mönche kommen. Zu dieser Zeremonie wird der Pha That Luang übrigens immer neu gestrichen.

Einige Meter vor dem Pha That Luang ist die Statue des Königs Sai Setthathirath I. zu finden, der die Hauptstadt nach Vientiane verlagert und den Bauauftrag für die Stupa erteilt hat.

In unmittelbarer Nähe des Pha That Luang findet man einen weiteren Tempel mit diesem riesigen liegenden Buddha. Im Buddhismus gibt es unterschiedliche Buddhafiguren, die alle für einen Wochentag stehen. Der liegende Buddha steht beispielsweise für den Dienstag. Wenn man also an einem Dienstag geboren ist, ist der liegende Buddha der persönliche Glücksbringer. Nach diesem Prinzip wählen die Familien die Buddhafigur aus, die Zuhause aufgestellt und verehrt wird.

Um den Tempel sind kleine Stupas rund herum angeordnet. In einer Stupa wird die Asche der Verstorbenen aufbewahrt. Dies kann z.B. eine Familien oder auch eine einzelne Person sein.

Die verschiedenen Buddhafiguren
Die um den Tempel angeordneten Stupas

Unsere letzte Station ist der Patuxai, ein 49 Meter hoher Triumphbogen. Er wurde in den 60er Jahren als Denkmal für die Unabhängigkeit Laos von Frankreich errichtet. Das Innere des Torbogens ist mit Skulpturen und aufgemalten Geschichten aus der indischen Mythologie geschmückt.

Nach 200 Treppenstufen erreicht man nicht nur die Spitze des Turms mit der Aussichtsplattform, sondern auch die zahlreichen Geschäfte mit Souvenirs, die sich im Inneren befinden.

Bei den Touristen noch beliebter scheint die Elefantenstatue zu sein, die sich gegenüber des Triumphbogens befindet und komplett aus Porzellan besteht. Auf dem Gelände stehen mehrere Fotografen parat, die gebucht werden können, um die Touristen vor der Porzellanstatue zu fotografieren.

Obwohl Vientiane die Hauptstadt ist, ist auch hier der gemütliche Lifestyle nach wie vor zu erkennen. Die Leute sind nicht gestresst, nur die Straßen sind etwas belebter und verkehrsreicher.

Trotzdem zieht es uns wieder aufs Land und ins Grüne, weshalb es morgen weiter nach Kong Lor geht.

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